Sonntag, 8. März 2009
Regelvorschläge für Gruppentreffen (ausführliche Fassung)
I. Voraussetzungen und Rahmenbedinqunqen

Vertrauen/Schweigepflicht
Jede/r Teilnehmer/in muss die Gewissheit haben, dass alles, was in der Gruppe besprochen wird in der Gruppe bleibt und nicht an Außenstehende weiter getragen wird.

Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit
Pünktlichkeit sollte für alle Gruppenmitglieder selbstverständlich sein. Mitglieder die nicht am Gruppentreffen teilnehmen können, sollten telefonisch absagen. So wird vermieden, dass die Gruppe auf Fehlende wartet oder die Mitglieder sich Gedanken darüber machen, warum eine Person wegbleibt. Durch zuverlässiges Verhalten entstehen Sicherheit und Vertrauen in der Gruppe.

Essen, Trinken und Rauchen
Trinken und Essen während einer Gruppensitzung können sich störend auf die Konzentrationsfähigkeit auswirken oder Einzelnen auch lästig sein. Besser ist es, zwischendurch eine kleine (Rauch)Pause zu machen.


II Gestaltung und Regeln für das Gruppentreffen

Blitzlicht-Runde
Ein Blitzlicht ist eine Kommunikationshilfe am Anfang einer jeden Gruppensitzung, bei der alle kurzzu Wort kommen. -Jedes Mitglied kann so seine Gefühle, Fragen oder Aspekte einbringen, z. B. Wie geht es mir heute? Welche Wünsche bringe ich für diese Treffen mit? Das Blitzlicht kann auch bei einer Störung oder am Ende einer Sitzung sehr nützlich sein.

Thematische Eingrenzung
Oft kann es sehr hilfreich sein, sich für Gruppentreffen auf ein bestimmtes Thema zu beschränken, es sei denn, ein neues Thema oder ein dringendes Problem stehen im Vordergrund.

Wechselnde Gruppenleitung
Es hat sich bewährt, dass jeweils eine oder zwei Personen ein Treffen leiten und die Gesprächsführung übernehmen. Die Leitungsrolle sollte wechseln, damit eine Person nicht zuviel Verantwortung übernimmt und dadurch eine Sonderstellung bekommt. Gesprächsleiter/in bestimmen jedoch nicht die Inhalte und Beschlüsse der Gruppe, sondern sind für den geregelten Ablauf des Treffens zuständig.

Störungen haben Vorrang
Störungen haben Vorrang, weil sie die Aufmerksamkeit vom Gruppengeschehen ablenken. Wenn jemand nicht mehr
zuhören kann, beunruhigt oder traurig ist, wird diese „Störung" zum Thema gemacht, (dasselbe gilt auch für
Seitengespräche). Außerdem ist es ratsam, Schwierigkeiten zwischen den Gruppenmitgliedern möglichst bald
auszusprechen. ,

Interpretationen vermeiden
Lösungsvorschläge sollten nicht aufgedrängt werden. Durch Interpretationen kann ich kein Problem für andere lösen. Jeder weiß selbst am besten über sein Problem bescheid. Persönliche Gedanken und Gefühle, die das Gehörte auslösen, sollten jedoch mitgeteilt werden. Sie sind wichtig und können den Gruppenprozess fördern.

Auf Körpersprache achten
Wenn ich lerne, auf die Körpersprache meines Gegenübers zu achten, kann ich oft zusätzliche Informationen über das seelische Befinden erhalten.

In der „IcrT-Form sprechen
Damit allgemeine und unkonkrete Aussagen vermieden werden, sollte möglichst in der „Ich-Form", nicht in der „Man" oder „Wir", gesprochen werden. So wird die Verantwortung für die eigene Person und das Mitgeteilte übernommen.

Aktives zuhören
Dies bedeutet, den Gruppenmitgliedern Aufmerksamkeit entgegenbringen und sie ausreden zulassen. Mit einem kurzen Kopfnicken, einem zugewandten Blick, einer offenen Körperhaltung kann das aktive Zuhören dargestellt werden.
Zur Einübung der Regeln kann es hilfreich sein, sie für alle sichtbar auf ein Stück Papier oder eine Tafel zu schreiben.

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Konflikte in Gruppen
Auch in Selbsthilfegruppen treffen Menschen mit unterschiedlichen Ansichten, Erwartungen, Entwicklungen und Zielen aufeinander, so sind Meinungsverschiedenheiten und Missverständnisse nicht zu vermeiden. Jede Gruppe erlebt in den verschiedenen Entwicklungsphasen kleinere oder größere Konflikte.
Wichtig für die Qualität der Arbeit ist der Weg der gemeinsamen Lösung. Der Prozess der Klärung und Lösungssuche ist das Entscheidende. Schwierige Situationen beinhalten immer auch die Chance, sich neu zu orientieren und bieten Gelegenheit für persönliches Wachstum. Dafür sollten Konflikte und Schwierigkeiten so offen wie möglich angesprochen werden.


Positive Merkmale von Konflikten:

-> Neuerungen herbeiführen
-> Stillstand verhindern
-> Ideenreichtum entfachen
-> Gruppe festigen
-> zur Selbsterkenntnis führen
-> Veränderungen auslösen



Häufiger Wechsel innerhalb der Gruppe

Wenn eine Gruppe nicht festgelegt hat, in welchem zeitlichen Rhythmus neue Mitglieder hinzukommen dürfen, kann ein häufiger Wechsel innerhalb der Gruppe entstehen. Die alte Gruppe sieht sich gezwungen, den Neuen die Gelegenheit zu geben, sich auszusprechen.
Dadurch kommen sie aber nicht dazu, ihre eigenen aktuellen Themen zu behandeln und die weitere Gruppenentwicklung wird behindert. Neu hinzukommende spüren diese Unsicherheit und ziehen sich zurück. Die Gruppe sollte gemeinsam überlegen, wie diese Unzufriedenheit behoben werden kann. z. B.
-> eine Zeitlang keine Neuzugänge aufnehmen um sich wieder auf den Arbeitsprozess und den Zusammenwachs der Gruppe konzentrieren zu können
.-> klären, wie mit neuen Teilnehmern umgegangen wird (z. B. am Anfang des Gruppentreffens einen Zeitrahmen festlegen)
-> Zeitpunkt verabreden, wann die Gruppe wieder offen sein soll (evt. vorherigen Austausch planen)

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